Ratgeber
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? Ertrag, Eigenverbrauch und Rechnung
Ob sich ein Balkonkraftwerk rechnet, hängt von drei Größen ab: wie viel Strom die Module erzeugen, wie viel davon du selbst verbrauchst und was dich eine Kilowattstunde aus dem Netz kostet. Hier rechnen wir es mit klar gekennzeichneten Annahmen durch.
Aktualisiert am 6 Min. LesezeitRedaktion wosolar.de
Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk?
Als Faustregel erzeugt eine gut ausgerichtete Photovoltaikanlage in Deutschland etwa 800 bis 1.000 kWh pro kWp installierter Modulleistung und Jahr. Im Süden liegen die Werte eher am oberen, im Norden eher am unteren Ende. Diese Faustregel gilt für eine Südausrichtung mit etwa 30 bis 35 Grad Neigung ohne Verschattung – also für ideale Dachbedingungen.
Am Balkon sieht es oft anders aus. Senkrecht am Geländer montierte Module liefern über das Jahr spürbar weniger, je nach Standort oft grob ein Viertel bis ein Drittel. Ost- oder Westbalkone verlieren gegenüber Süd ebenfalls etwas, verteilen den Ertrag dafür besser über den Tag. Verschattung durch Nachbarhäuser, Bäume oder den darüberliegenden Balkon kann den Ertrag stark mindern.
- Südbalkon, Module leicht angestellt: nahe an der Faustregel
- Südbalkon, senkrecht am Geländer: deutlich darunter
- Ost- oder Westbalkon: etwas darunter, aber gleichmäßigere Tageskurve
- Teilverschattung: kann den Ertrag stark senken – Mikrowechselrichter mit getrennten Eingängen helfen
Eigenverbrauch: der entscheidende Faktor
Geld sparst du nur mit dem Strom, den du selbst im Moment der Erzeugung verbrauchst. Überschüsse fließen bei Balkonkraftwerken in der Regel ohne Vergütung ins Netz. Wie hoch der Eigenverbrauchsanteil ist, hängt von deiner Grundlast ab – Kühlschrank, Gefriertruhe, Router, Heizungspumpe und Standby-Geräte laufen ständig und nehmen tagsüber einen Teil des Solarstroms auf.
Wer tagsüber zu Hause ist, Spülmaschine und Waschmaschine mittags laufen lässt oder im Homeoffice arbeitet, kommt auf deutlich höhere Anteile als ein Haushalt, der tagsüber leer steht. Mit einer Messsteckdose oder einem smarten Zähler findest du heraus, wie hoch deine Grundlast wirklich ist.
Beispielrechnung mit Annahmen
Die folgende Rechnung ist ein Beispiel, keine Zusage. Alle Werte sind Annahmen, die du mit deinen eigenen Zahlen ersetzen solltest:
- Annahme Anlage: 2 Module mit je 450 Wp = 0,9 kWp, Südbalkon, leicht angestellt
- Annahme Ertrag: 800 kWh pro kWp und Jahr → rund 720 kWh pro Jahr
- Annahme Eigenverbrauch: 50 % → rund 360 kWh selbst genutzt
- Annahme Strompreis: 35 Cent pro kWh
- Ersparnis pro Jahr (Euro): ca. 126
- Bei einem Anschaffungspreis im mittleren dreistelligen Bereich ergibt sich eine Amortisation von grob drei bis sechs Jahren
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AnzeigeSo verschiebt sich die Rechnung
Senkrechte Montage ohne Anstellung, ein Nordwest-Balkon oder ein niedriger Eigenverbrauch verlängern die Amortisation deutlich. Umgekehrt verkürzen günstige Sets, hoher Tagesverbrauch und steigende Strompreise die Zeit. Rechne auch die Lebensdauer mit ein: Solarmodule haben häufig Leistungsgarantien über 20 bis 30 Jahre, Wechselrichter halten oft kürzer. Ein Balkonkraftwerk, das sich nach fünf Jahren bezahlt gemacht hat, spart danach weiter.
Mehr Modulleistung – bis zu den erlaubten 2.000 Wp – erhöht vor allem den Ertrag in den Morgen- und Abendstunden und an bewölkten Tagen. Das steigert den Eigenverbrauch, weil die 800 Watt über mehr Stunden anliegen. Gleichzeitig steigen die Kosten, und mittags wird häufiger abgeregelt.
Und mit Speicher?
Ein Speicher macht Überschüsse vom Mittag abends nutzbar und erhöht damit den Eigenverbrauch. Er kostet allerdings oft mehr als das Balkonkraftwerk selbst. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, wie viele Kilowattstunden der Speicher im Jahr tatsächlich verschiebt. Als grobe Orientierung: Ein Speicher, der an 250 Tagen im Jahr jeweils 1,5 kWh verschiebt, bringt rund 375 kWh zusätzlichen Eigenverbrauch – bei 35 Cent pro kWh (Annahme) sind das pro Jahr (Euro) ca. 131. Teile den Mehrpreis des Speichers durch diesen Betrag, dann siehst du die Amortisationszeit.
Besonders sinnvoll ist ein Speicher bei viel Modulleistung, tagsüber leerer Wohnung und hohem Abendverbrauch. Bei 800 Wp am Nordwest-Balkon bleibt dagegen oft kaum Überschuss zum Speichern.
Balkonkraftwerke mit Speicher
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Tipps für mehr Ertrag
Mit ein paar Stellschrauben holst du mehr aus deinem Balkonkraftwerk heraus:
- Module anstellen: Schon 20 bis 30 Grad Neigung statt senkrecht bringen im Sommerhalbjahr deutlich mehr.
- Verschattung vermeiden: Auch kleine Schatten auf einer Zelle können die Leistung eines ganzen Moduls drücken.
- Getrennte Eingänge nutzen: Module mit unterschiedlicher Ausrichtung an getrennten MPPT-Eingängen betreiben.
- Verbrauch verlagern: Waschmaschine, Spülmaschine und Laden von Akkus in die Mittagszeit legen.
- Ertrag messen: Mit App oder Messsteckdose erkennst du Probleme wie Verschmutzung oder Defekte früh.
Kosten realistisch ansetzen
Für die Rechnung zählt nicht nur der Setpreis. Rechne Halterung, gegebenenfalls eine Einspeisesteckdose samt Installation durch eine Elektrofachkraft, längere Kabel und Versandkosten mit ein. Große Module werden oft per Spedition geliefert, was den Preis spürbar erhöhen kann. Dank des Umsatzsteuer-Nullsatzes für Photovoltaik-Komponenten an Wohngebäuden fällt auf die Komponenten selbst keine Mehrwertsteuer an.
Auf der anderen Seite stehen kaum laufende Kosten: Eine Wartung im eigentlichen Sinn gibt es nicht, gelegentliches Reinigen und Kontrollieren der Befestigung genügen. Rechne aber damit, dass der Wechselrichter innerhalb der Lebensdauer der Module einmal getauscht werden muss.
Ertrag über das Jahr
Der Jahresertrag verteilt sich sehr ungleich. Von April bis September erzeugt ein Balkonkraftwerk den Großteil seines Stroms, in den Wintermonaten oft nur einen kleinen Bruchteil davon. Das hat zwei Folgen: Im Sommer entstehen die größten Überschüsse, die ohne Speicher ins Netz fließen, und im Winter deckt die Anlage selbst bei niedrigem Verbrauch nur einen Teil der Grundlast. Senkrecht montierte Module gleichen das etwas aus, weil sie die tief stehende Wintersonne besser einfangen.
Wann sich ein Balkonkraftwerk eher nicht lohnt
In einigen Fällen ist die Amortisation fraglich:
- Nordbalkon oder starke Verschattung den größten Teil des Tages
- Sehr niedriger Stromverbrauch und kaum Grundlast in der Wohnung
- Absehbarer Umzug ohne Möglichkeit, die Anlage mitzunehmen
- Hohe Zusatzkosten für Montage oder Elektroinstallation im Verhältnis zum Ertrag
Deine eigene Rechnung in drei Schritten
Erstens: Schätze den Ertrag. Nimm die Modulleistung in kWp und multipliziere sie mit einem Wert zwischen 600 und 1.000 kWh – je nach Ausrichtung, Neigung und Verschattung eher am unteren oder oberen Ende. Online-Rechner wie PVGIS der EU-Kommission liefern für deinen Standort genauere Werte, wenn du Ausrichtung und Neigung deiner Module eingibst.
Zweitens: Schätze den Eigenverbrauch. Miss mit einer Messsteckdose oder am Zähler, wie viel Strom deine Wohnung tagsüber mindestens braucht. Liegt die Grundlast bei 150 bis 200 Watt, nimmt sie einen guten Teil des Solarstroms auf; liegt sie deutlich darunter, fließt mehr ins Netz. Drittens: Multipliziere den selbst genutzten Anteil mit deinem Arbeitspreis aus der Stromrechnung und teile die Anschaffungskosten durch dieses Ergebnis. So erhältst du eine ehrliche Amortisationszeit für deine Situation.
Nach einigen Monaten Betrieb kannst du die Schätzung mit echten Zahlen prüfen: Die App des Wechselrichters zeigt die Erzeugung, eine Messsteckdose oder der Zählerstand deinen Bezug. Vergleichst du den Netzbezug mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, siehst du, wie viel Strom das Balkonkraftwerk tatsächlich ersetzt – unabhängig von Wetter-Schwankungen wird das Bild nach einem vollen Jahr am aussagekräftigsten.
Häufige Fragen
Wie viel spart ein Balkonkraftwerk im Jahr?
Das hängt von Ertrag, Eigenverbrauch und Strompreis ab. Mit den Beispielannahmen (0,9 kWp, 720 kWh Ertrag, 50 % Eigenverbrauch, 35 Cent/kWh) ergibt sich eine Ersparnis im niedrigen dreistelligen Bereich pro Jahr.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk auf einem Nordbalkon?
Meist kaum. Ohne direkte Sonne ist der Ertrag gering. Ost- und Westbalkone sind dagegen oft durchaus geeignet.
Nach wie vielen Jahren hat sich ein Balkonkraftwerk bezahlt gemacht?
Unter günstigen Bedingungen oft nach drei bis sechs Jahren, bei ungünstiger Ausrichtung oder geringem Eigenverbrauch auch deutlich später.
Bekomme ich Geld für eingespeisten Strom?
In der Regel nicht. Bei Steckersolargeräten ist die unentgeltliche Abgabe des Überschusses üblich. Der Nutzen entsteht durch den selbst verbrauchten Strom.